Würdezentrierte Therapie
„Das, was jede Geschichte besonders macht, ist, dass sie dem Erzähler gehört. Keine zwei Leben sind gleich.“
Harvey M. Chochinov,
Begründer der Würdezentrierten Therapie

Allen Facetten meiner Arbeit ist das Thema Würde von jeher übergeordnet, so bedeutsam ist es für mich. Daher war es nur naheliegend, dass ich die Ausbildung zur Therapeutin für Würdezentrierte Therapie absolvierte (Gesellschaft für Patientenwürde, Uni Mainz). Diese Therapie hat Harvey M. Chochinov in Kanada entwickelt, um Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen innerlich zu stabilisieren.
Die Würde ist der Wert eines Menschen an sich, der nicht verloren gehen kann. Auch, wenn durch schwere Grunderkrankungen oder einfach ein hohes Alter Gesundheit und damit Fähigkeiten verloren gehen. Oft erlebe ich eine Selbstabwertung der Patienten.
„Ich bin doch nichts mehr nütze. Ich möchte mich manchmal selbst auf den Misthaufen werfen.“
Hildegard T., 85 Jahre
Solche und ähnliche Sätze kann man in einem Pflegeheim täglich hören.

Die Würdezentrierte Therapie wird vordergründig bei demoralisierten Menschen gegen Ende ihres Lebens eingesetzt, wenn aus dem Sterbewissen ein Sterbebewusstsein wird.
Es handelt sich um eine systemische Kurzintervention, in der es nicht darum geht, eine Biographie zu erstellen, sondern mit Hilfe gezielter Fragen in einem Interviewgespräch Lebensrückschau zu halten, die Lebensleistung zu würdigen, den Blick weg von der Krankheit hin zum Menschen zu lenken, Gedanken und Wünsche für die Angehörigen zu formulieren.
Die Menschen setzen sich intensiv mit ihren Erlebnissen, Werten und Erkenntnissen auseinander. So entstehen Texte mit emotionaler Energie. Das Gespräch wird aufgezeichnet, vom Therapeuten verschriftlicht und als Generativitätsdokument erstellt. Dies erhalten Personen aus der Familie und/oder dem Freundeskreis, die der Patient zuvor festlegt.
Zum Ablauf: Es gibt ein Vorgespräch, dann ein bis zwei Termine für die Tonaufnahme. Nachdem diese transkribiert und editiert wurde, ist das Vorlesen des Dokumentes ein zentrales Element der Therapie. Änderungen und Ergänzungen können besprochen werden, dann erhält das Dokument eine zuvor besprochene schöne Form und die gewünschte Anzahl an Exemplaren wird überreicht. Das Generativitätsdokument enthält sozusagen die Essenz der Persönlichkeit. Die Person soll hindurchklingen. Nichts anderes bedeutet das Wort „Person“ (per sonare = hindurchklingen).
Die Einstellung des Therapeuten ist die Grundlage für eine gelingende Therapie. Zuhören ist Würdigung. Echtes Interesse, Achtung und Respekt sowie Freude am Schreiben sind unabdingbar. Obwohl es eine arbeits- und zeitintensive Therapie ist, in der viel Herzblut steckt, handelt es sich um eine meiner liebsten Aufgaben. Würdezentrierte Therapie und/oder Biographiearbeit/Erinnerungsarbeit biete ich auch außerhalb meiner Arbeitsstellen an! Fragen Sie gern nach einem Termin!
„Ich bin es doch nicht wert, dass wir etwas aufschreiben, ich bin doch nicht die Gräfin Dönhoff!“
Hannah F. 89 Jahre, im Gespräch über die Würdezentrierte Therapie
„Sie haben mir so eine große Freude gemacht! Nein, dass Sie das für mich getan haben! Und alle haben sich mitgefreut. Meine Familie hat ganz gestaunt über unser Heft!“
Hannah F., 89 Jahre, nach Abschluss der Würdezentrierten Therapie
